Recap #DFK18 – Das war ganz schön gross

Schon wieder ist er vorbei und schon wieder freue ich mich auf den nächsten Kongress. So ist das eigentlich immer. Auch dieses Mal. Bevor wir aber ganz vorne starten gebe ich es gleich zu: Ich habe nur eine handvoll Programmpunkte selber mitgemacht – dafür aber das eine und andere grosse Highlight hinter mir. Also von vorne…

Für mich stand dieser 25. Deutsche Fundraising Kongress im Zeichen von viel Arbeit anstatt selber Impulse mit nach hause nehmen zu können. Daher darfst Du von diesem Bericht weniger Fundraising-Impulse aus der angebotenen Vielzahl von Sessions erwarten als viel mehr Blicke hinter die Kulissen.

Beiratssitzung und Mitgliederversammlung

Am Dienstag fand die Beiratssitzung des Deutschen Fundraising Verbandes statt. Und bereits hier ging es heiss her. In der Mitgliederversammlung am Mittwoch haben es dann alle erfahren: die finanzielle Situation ist – gelinde gesagt – nicht rosig. Wir haben ein Defizit, wir haben rote Zahlen geschrieben und das ist gar nicht gut. Der Beirat, dem ich bis am Dienstag noch offiziell in meiner ersten Wahlperiode angehörte, beschäftigte sich ausgiebig mit den Zahlen, „löcherte” den Vorstand wieder und wieder, denn erst im März von einem Minus im vergangenen Jahr zu erfahren ist nicht professionell. Das hätten wir vorher wissen müssen und so mussten wir nachhaken, was denn dazu geführt hatte. Der Vorstand um den Vorsitzenden Dr. Martin Dodenhoeft und den Geschäftsführer Arne Peper beantworteten alle unsere Fragen, legten uns dar, was dazu führen konnte und so entschlossen wir uns einstimmig im Beirat, trotz der  miesen Finanzen, der Mitgliederversammlung die Entlastung des Vorstandes zu empfehlen. Das fanden einige Mitglieder zu „zahm”, andere hatten eher Verständnis. Es war ein Mix aus einerseits „das müssen wir jetzt tun, damit es mit neuer Energie und neuer Geschäftsführerin ordentlich weitergehen kann” und andererseits „eigentlich müssten wir uns querstellen”. Mit einem Ausblick darauf, dass der Beirat strenger kontrollieren wird sowie Absichten und Zielen des Vorstandes, die teils mehr aber auch einiges weniger zuversichtlich stimmten, stellten wir uns also an die Seite des Vorstandes und konnten auch so die Mitgliederversammlung wieder besänftigen. Dennoch: die Mitglieder diskutierten und hinterfragten genau so energisch wie wir im Beirat den Vorstand. Und das war richtig gut so. Denn dafür sind wir Mitglieder da: unseren Vorstand Wert zu schätzen aber auch zu hinterfragen und „auf die Finger zu schauen”.

Meine Wiederwahl in den Beirat

Genau so richtig fand ich, dass sich insgesamt vier Kollegen und eine Kollegin für die Wahl der zwei frei gewordenen Plätze im Beirat aufstellen liessen. Ich war darunter, stand den Mitgliedern zur Wiederwahl zur Verfügung und wurde mit den meisten Stimmen gewählt. Für das Vertrauen nochmals herzlichen Dank. Doch ich hätte ehrlich gesagt vollstes Verständnis dafür gehabt, aufgrund des Versagens auch des Beirates bezüglich der Finanzen 2017, abgewählt zu werden. Doch vermutlich haben meine Ansprache und Vorstellung als ein Kandidat des Beirates auch zu meiner Wiederwahl beigetragen. Ich habe u.a. dargelegt, welche Möglichkeiten der Beirat hat – und welche eben auch nicht. In der jüngsten Vergangenheit war das beispielsweise der so genannte Oxfam-Skandal rund um sexuelle Belästigungen und Gewalt in unserem Sektor. Als Beirat sah ich es als meine Pflicht an, unseren Vorstand und Verband darin zu bestärken, etwas dazu zu machen. Dass es letztendlich kein Thema im Verband oder auf dem Kongress wurde liegt dann ausserhalb der Möglichkeiten eines Beiratsmitgliedes. Das entscheiden dann andere…

Mittwoch und Donnerstag

Am Mittwoch war ich mal Gesprächspartner bei Maik Meids Fundraising-Radio, das sich finde ich bereits bei diesem zweiten Mal zu einer nicht wegdenkbaren Instanz beim Kongress etabliert hat. Bitte wieder, lieber Maik!

Die Auftaktsession zum Kongress – das Gespräch mit den Spenderinnen und Spendern – fand ich schon auch spannend. Ich sah es aber eher als eine Motivation an alle, weiterhin viel mit unseren Spenderinnen und Spendern selber im Gespräch zu sein. Dennoch richtig, auch diese vier zu Wort kommen zu lassen.

Dann kam schon der Donnerstag, an dem es für mich heiss her ging. Der Morgen startete mit einem tollen Keynote-Vortrag von Daniel Domscheit-Berg – einer der Mitgründer von Wikileaks. Er brachte mir eines der grössten Learnings von diesem Kongress: Entwickler wollen ebenfalls die Welt retten – lasst es uns zusammen tun. Kommen wir noch stärker in den Dialog und überlegen gemeinsam wie wir das anstellen. Schickt eine/n Vertreter/in zum Chaos Communication Congress. Ich nehme das persönlich als Auftrag 🙂 

Am Vormittag konnte ich dann noch ein wenig den sehr offenen und ehrlichen Einblicken in die Kampagne „Wie weit würdest Du gehen?” von Terre des hommes lauschen bevor es dann in die Probe für die Sozialmarketing-Show ging. Ich war dieses Mal „nur” Teilnehmer und so konnte Kollege Jörg Reschke sein volles Moderatoren-Talent ausleben. Wunderbar! Er und die Show! Ein gefüllter Saal, zehn ehrgeizige Teilnehmende und fünf Fragen die es in Sich hatten. Nach dem Modell der Fernsehsendung „Familienduell” forderte Jörg uns mit Fragen heraus, deren Antworten wir manchmal auch nicht erahnten und uns dennoch allen eine kurzweilige und witzige Session am Mittag bescherte. Mal schauen ob und wie wir als Sozialmarketing-Team auch im kommenden Jahr wieder mit dabei sein werden.

Vorbereiten

Der Nachmittag am Donnerstag bestand für mich fast ausschliesslich darin, den Abend vorzubereiten. Licht, Ton, Ablauf, Probe für die Gala, die Verleihung des Deutschen Fundraising Preises. Eine der wichtigsten Dinge, die wir als Verband zu vollziehen haben: bestes Fundraising zu ehren – stellvertretend für viele gute Aktionen und Kampagnen, die wir in einem Jahr umsetzen.

Bereits vor fünf Jahren wurde der Ruf laut, dass ich doch mal den Abend moderieren sollte. Jetzt war es also soweit und ich durfte, musste, konnte, sollte ran. Gesagt getan. Sehr wichtig war mir von vorne herein, dass wenn ich moderiere, dass ich dann auch den Ablauf des Abends mitbestimme. Denn die Dramaturgie dieses Abends finde ich fast noch wichtiger, als die Moderation. Dennoch: das können wir selber! Mir fallen noch andere ein, die diesen Abend wunderbar moderieren könnten und gleichzeitig im Fundraising tätig sind. Das muss, das kann, das darf und das sollte es sein. Eine oder einer von uns. Bitte wieder so!

Ich wollte diese Dinge unbedingt:

  • eine ordentliche Moderation: das sollten andere beurteilen, ich fand mich ganz gut.
  • einen dramaturgischen Ablauf: das Highlight an diesem Abend ist die Verleihung des Deutschen Fundraising Preises und damit die Ehrung von herausragenden Kampagnen und Aktionen. Mit der Verleihung erst nach dem Hauptgang haben wir das u.a. geschafft – das ich mich hier durchgesetzt habe war m.E. völlig richtig. Mit vollem Magen und viel Austausch und Gespräch vor der Verleihung, fiel es allen einfacher, Ruhe, Fokus und Aufkerksamkeit denen zu schenken, die es an diesem Abend verdient haben: den Preisträgerinnen und Preisträgern.
  • Ruhe und Aufmerksamkeit: das war meine eigentliche Herausforderung. Würde ich es mit Licht, Ton, Dramaturgie und nicht zuletzt auch meiner Moderation schaffen, einen Saal mit 650 Fundraiserinnen und Fundraisern zu Ruhe und Aufmerksamkeit bringen zu können? Weit gefehlt – zunächst. Im ersten Teil (Begrüssungsrede und Sponsoren) herrschte grosse Unruhe im Saal, die Kolleginnen und Kollegen wollten sich eher austauschen anstatt den Rednern auf der Bühne ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Ich verschwand nach diesem ersten Teil hinter die Bühne, legte mich auf eine umherstehende Box und wollte einfach nicht mehr aufstehen. Ich hatte versagt, meine Nervosität Überhand gewonnen, ich hatte es nicht geschafft, Ruhe in uns zu bringen. Hinschmeissen? War nicht möglich. Also durchziehen. Und das hat einwandfrei geklappt. Vielen Dank an alle! Das war grossartig! Ein einmaliges Gefühl auf der Bühne zu stehen, diese grosse Zahl von Kolleginnen und Kollegen vor mir und – ja, fast hätten wir die berühmte Stecknadel hören können. Das war die richtige Stimmung für die Verleihung des Deutschen Fundraising Preises.

Der Preis, das Fest und der Morgen danach

Über die Preise kann man und frau sich denken, was jede und jeder will. Erstmalig durfte ich in diesem Jahr auch als Jurymitglied mit entscheiden, wen und was wir für herausragende Leistungen auszeichnen. Dabei lernte ich auch: ein Preis ist auch etwas politisches. Wir haben mit den Preisen auch Nachwuchsförderung, eine kopierbare Aktion und zwei Kampagnen ausgezeichnet, die dem gesamten Fundraising gut tut: dass sich Menschen damit auseinander setzen, ob und wie sie in ihrem Testament gemeinnützige Organisationen bedenken wollen. Zum Highlight wurde die Verleihung des Sonderpreises an das Hamburger Abendblatt für ihre fast weisse Titelseite – dies ein Signal, dass auch Medien eine wichtige Rolle einnehmen für Philanthropie, Gemeinnützigkeit und das Denken an unsere Mitmenschen.

Mein weiteres Highlight folgte – allerdings noch nie so spät wie dieses Mal. Eigentlich gehöre ich zu den ersten tanzenden Menschen in der Kongress-Disko. Doch in diesem Jahr durfte ich noch viele gute, intensive Gespräche nach der Verleihung führen – Danke an dieser Stelle allen für den Austausch. Doch dann tanzte und tanzte ich, bis das berühmte Rausschmeisserlicht anging. Also schnell ab ins Bett.

Und so endete auch fast der Kongress für mich. Nach kurzem Saunagang am Freitagvormittag (ja, auch das versuche ich mir immer wieder zu gönnen: Ruhe und Kraft tanken im Getümmel des Kongresses) bauten wir unseren RaiseNow-Stand ab, verabschiedeten uns dann ging es ab nach hause…

Bis nächstes Jahr!

P.S.: Ach ja, ein Seminar durfte ich auch noch geben am Donnerstag Nachmittag: «Donor Journeys». Das stiess auf sehr grosses Interesse und zeigte erneut: da ist noch viel Luft nach oben!

About This Author

Jan Uekermann ist Fundraiser seit 2002. Schwerpunkte: Basics, Major Donors, Online/Digital. Er war u.a. tätig beim Kinderhilfswerk nph deutschland e.V. in Karlsruhe (D) und bei Swissfundraising in der Schweiz. Aktuell ist er Community Manager bei RaiseNow und Co-Founder/Trainer vom Major Giving Institute. Ausserdem: Autor & Speaker.

2 Comments

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  • Lieber Jan
    Danke für den tollen Blogeintrag und deine Higlights vom Kongress. Du hast dich weiterentwickelt und bist sogar über dich hinausgewachsen. Gratuliere!

    Gerne möchte ich mehr erfahren über dein Seminar «Donor Journeys». Kannst du mich da updaten mit einem Foliensatz? Mit Interesse lese ich auch eure Mail-Serie darüber und beschäftige mich auch damit. Freue mich, dich Mitte Mai im Kloster Fahr zu treffen, bestimmt gibt es dort auch in den Kaffeepausen Möglichkeit für (digitalen-) Austausch…:-)

    Machs gut und bis bald.
    Hansueli

    Hansueli Gujer 7 months ago Reply


    • Lieber Hansueli
      Vielen Dank für Dein Feedback. Ja, ich freue mich auch auf unser baldiges Wiedersehen.
      Wir arbeiten gerade daran das Seminar «Donor Journeys» als Webinar zu kreieren. Da wird es bald etwas geben und über die bekannten Kanäle wirst Du die Infos bekommen.
      LG und bis ganz bald.
      Jan

      Jan Uekermann 7 months ago Reply


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